26Mai2016

Nachfolge-Regelung möglichst systematisch angehen

Mittelständler, die ihre Nachfolge regeln wollen, sollten dafür Zeit einplanen und zahlreiche Punkte bedenken – von der Kandidatenauswahl über die Preisermittlung, steuerliche Aspekte bis hin zu menschlichen Faktoren. Ohne externe Unterstützung geht das in vielen Fällen nicht. Dies wurde beim „Tag der Unternehmensnachfolge“ im Oldenburger Technologie- und Gründerzentrum (TGO) deutlich, den die Mittelstandsberatung Meiners-Hagen GmbH (Oldenburg) mit Experten aus der Region veranstaltete.

Eine externe Moderation könne etwa bei Nachfolgeregelungen im Bereich der Familie sinnvoll sein, erläuterte Organisationsberaterin Christine Warnke (Oldenburg). Überall würden „alte Konflikte schlummern“, und die brächen anlässlich Firmenübergaben schon mal auf. Da könne es sinnvoll sein, sich im Vorfeld zusammenzusetzen.

In den kommenden Jahren würden besonders viele Unternehmen in Deutschland übernahmereif für die nächste Generation beziehungsweise Käufer, erläuterte Carsten Steenken (Steenken & Krogmann Steuerberatungskanzlei /Saterland). Rein rechnerisch bestehe kein Mangel an Nachfolgern, doch die müsse man erst einmal finden. Oft scheitere der Vorgang an Faktoren wie: nicht rechtzeitig vorbereitet, emotionales Festhalten am Unternehmen, zu hohe Preisvorstellung. Wenn es aber gelinge, etwa mit einer ganzheitlichen Begleitung des Nachfolge-Vorgangs das Lebenswerk von Mittelständlern zu erhalten, dann würden letztlich auch Arbeitsplätze erhalten und die Volkswirtschaft gestärkt, meinte Initiatorin Gertrud Meiners-Hagen (Mittelstandsberatung Meiners-Hagen) vor 40 Gästen.

Oft stammten Nachfolger letztlich aus dem bekannten Umfeld: Mitarbeiter, Mitbewerber, Lieferanten, Nachbarn, erläuterte Gertrud Meiners-Hagen. Doch würden diese gewöhnlich vom Unternehmer, der einen Nachfolger suche, nicht direkt angesprochen, weil dies schnell die Runde machen könnte. Deshalb würden externe Berater eingeschaltet, die erst einmal anonym eine Vorauswahl einleiten, etwa über Direktmails an potenzielle Kandidaten oder über Börsen. Man prüfe die Eignung und führe Vorgespräche. Dass letztlich menschlich die Chemie stimme, sei am wichtigsten, erläuterte Meiners-Hagen. Insgesamt wird der Ablauf in diverse Module zerlegt, wie sie deutlich machte.

Da wären etwa auch die steuerlichen Aspekte. Steuerberater Carsten Steenken machte deutlich, dass dies „ein wichtiger Aspekt sei“, der aber „nicht alles“ sein sollte. Als erstes müsse geklärt werden, wie man sich den Übergang vorstelle. Und dann könne es darum gehen, „nicht notwendige Steuern zu verhindern“ und Freibeträge und Absetzbarkeiten zu nutzen. Oft sei es nötig, im Vorfeld einer Nachfolgeregelung auf beiden Seiten Vorkehrungen zu treffen. Besonderes Augenmerk sollte man auch dem Punkt „Pensionszusage“ widmen, weil er erhebliche Belastungen bergen könne.

Beim „Tag der Unternehmensnachfolge“ ging es noch um diverse weitere Aspekte. Auf dem Programm stand etwa auch die „Gesellschaftsrechtliche Betrachtung und Unternehmensnachfolge im Notfall: Wozu denn Gesellschaftsrecht und warum vorsorgen“ (Helmut Müller/Vogt und Partner, Oldenburg); dann eine „erbrechtliche Betrachtung: Reicht das Testament auf der Serviette doch nicht aus?“ (Dr. Steffen König/Vogt und Partner, Oldenburg) und die „Unternehmensbewertung: Was ist der Preis?“ (Ralf Döpper, Ralf Terheyden/Terheyden Revision und Treuhand, Cloppenburg). Schließlich wurde zum Abschuss ein „Best-Practice-Fall“ zur Nachfolge präsentiert: „Wie geht das in der Praxis?“ (Christian Hoch, Hubert Webermann, Wema/Leer).

„Wir wollten eine Gelegenheit bieten, das für den Mittelstand eminent wichtige Thema Unternehmensnachfolge vor Ort zu diskutieren und weitere Gesprächsprozesse anzustoßen“, fasste Gertrud Meiners-Hagen zusammen.

 

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